Gesamte Geschichte

Altertum und Mittelalter

Im Krimgebirge, in der Fundstelle Kiik-Koba, wurden 1924 die ersten Neandertaler-Funde in Osteuropa entdeckt und auf ein Alter von rund 73.000 Jahren datiert.

Im Altertum war die Krim zunächst von Kimmrern und Taurern bewohnt. Als die Griechen mit den Städtegründungen begannen, stießen sie auf Skythen, die im späten 8. Jahrhundert v. Chr. in das nördliche Schwarzmeergebiet eingewandert waren. Für die Griechen war die Krim als Handelskontakt mit kornreichen Gegenden von Interesse. Aus den Städten entwickelte sich das Bosporanische Reich. Die Griechen gaben der Halbinsel den Namen Chersónesos Tauriké (Taurische Halbinsel) nach dem dort ansässigen Stamm der Taurer. Die wichtigste Stadt hieß Chersonesos, eine griechische Polis am Rand des heutigen Sewastopol

Im 1. Jahrhundert v. Chr. geriet die Krim wie alle Teile der griechischen Welt unter römischen Einfluss, sie wurde aber nicht als römische Provinz organisiert. Das Bosporanische Reich bestand weiterhin, ebenso wie die nominell unabhängige griechische Polis Chersonesos. Im 3. Jahrhundert n. Chr. erschienen im Vorfeld der sogenannten Völkerwanderung Goten auf der Krim. Krimgoten sind zum Teil bis ins 16. Jahrhundert nachweisbar. Noch bis ins 15. Jahrhundert hinein gaben sie der Region ihren Namen, die von den Italienern als Gotia bezeichnet wurde. Ihnen folgten ab dem 5. Jahrhundert zunächst die europäischen Hunnen, im Frühmittelalter dann nacheinander die Chasaren, Kumanen und Tataren. Im Mittelalter war daher die Bezeichnung Chasarische Halbinsel oder Gazaria für die Region üblich. Nach der Zerstörung des Chasarenreiches durch Swjatoslaw I. gehörten die Krim-Städte Kertsch und zeitweise Sudak zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert zum altrussischen Fürstentum Tmutarakan, dessen Zentrum sich auf der Taman-Halbinsel befand.

Im 13. Jahrhundert verfügten die Mongolen der Goldenen Horde, zu deren damaligem Einflussbereich die Halbinsel gehörte, über weitreichende Handelsbeziehungen. Besonders der Handel über die Krim nach Ägypten war ausgeprägt und kann nur noch mit den Handelsbeziehungen der Mongolen zu den Italienern, hier vor allem Genua und Venedig, verglichen werden. Diese fungierten vielfach als Zwischenhändler und Transporteure des Handels nach Ägypten. Eines der Haupthandelsgüter dieser Route waren Sklaven, während in Richtung Europa neben diesen vor allem Getreide, Gewürze und Fellerzeugnisse exportiert wurden. Grundlage für diese große wirtschaftliche Rolle der Krim war die strategisch günstige Position nahe dem nördlichen Ende der Seidenstraße („mongolische Route“). Ernsthafte Konkurrenz für die Hafenstädte der Krim stellte lediglich der venezianisch kontrollierte Hafen Tana an der Don-Mündung dar.

                      Die Genuesische Festung von Sudak, erbaut zwischen 1371-1469

Die politische Geschichte der Krim im späten Mittelalter ist geprägt von den Auseinandersetzungen und Konkurrenzkämpfen der verschiedenen christlichen Mächte (Genua, Venedig, Byzanz) untereinander sowie den oft problematischen Beziehungen zwischen diesen und der Goldenen Horde respektive dem expandierenden Osmanischen Reich, in dessen Hände die Krim im Verlauf des 15. Jahrhunderts schließlich vollständig fiel. Die bis dahin den Handel dominierenden Italiener wurden nach Konstantinopel und Pera deportiert.

Khanat der Krimtataren

Im Zuge von Auflösungserscheinungen der Goldenen Horde entstand um 1430 auf der Krim das Krim-Khanat unter der Herrschaft einer Nebenlinie der Mongolenkhane mit der Hauptstadt Bachtschyssaraj, das weite Teile der heutigen Ukraine unter seine Kontrolle brachte. Bereits 1475 fiel es zwar unter osmanische Kontrolle, behielt jedoch ein gewisses Maß an Autonomie. 1502 besiegten die Krimtataren den letzten Khan der Goldenen Horde, was die russische Eroberung Kasans (1552) und Astrachans (1556) förderte. Die Krimtataren unternahmen häufige Raubzüge nach Russland und machten viele Gefangene, die sie als Sklaven in den Orient verkauften. 1571 drangen sie bis nach Moskau vor und setzten es in Brand, wurden aber im folgenden Jahr in der Schlacht bei Molodi vernichtend geschlagen. Das Krimkhanat beteiligte sich an zahlreichen militärischen Konflikten in Ost- und Mitteleuropa. Die von den Steppenreitern ausgehende ständige Gefahr zwang Russland zum langjährigen Unterhalt einer aufwändigen und kostspieligen Verhaulinie, um sich – auch mit Hilfe der Kosaken – gegen die Tataren zu verteidigen. In diesem Zusammenhang sind die Krimfeldzüge zu sehen, die in die Regierungszeit von Sofia Alexejewna fallen. Im Russisch-Österreichischen Türkenkrieg verwüstete der deutschstämmige Generalfeldmarschall Burkhard Christoph von Münnich im Dienste der Kaiserin Anna 1736 erstmals die Krim.

Die Nebelglocke von Chersones, das Symbol von Sewastopol, wurde 1778 aus türkischen Kanonen gegossen, die im Russisch-Türkischen Krieg erbeutet worden waren, und hing einst in der St.-Nikolaus-Kirche in Taganrog. Als der russische Marinestützpunkt nach Sewastopol verlegt wurde, kam auch die Glocke in die dort neu erbaute St.-Nikolaus-Kirche. Im Krimkrieg wurde sie von den Franzosen erbeutet und schlug kurzzeitig in der Kathedrale Notre-Dame de Paris. 1913 wurde sie an das Kloster von Chersones zurückgegeben, das 1925 geschlossen wurde. Sie hängt seitdem an ihrem Platz und warnte bis in die 1960er Jahre bei Nebel die ankommenden Schiffe.

Bis zum Russisch-Türkischen Krieg (1768–1774) war das Khanat der Krim ein Vasallenstaat des Osmanischen Reichs. Mit Hilfe des Russischen Kaiserreichs gelang die Loslösung, die Osmanen mussten im Frieden von Küçük Kaynarca 1774 die Krim der Einflusssphäre Russlands zuerkennen, worauf die Russifizierung folgte. Viele Krimtataren flohen auf das Gebiet der heutigen Türkei. Unter Grigori Potjomkin kam der Staat der Krimtataren endgültig unter russische Herrschaft: Am 8. April 1783 wurde die Krim formell von Katharina II. „von nun an und für alle Zeiten“ als russisch deklariert. Dies wurde vom Osmanischen Reich im Vertrag von Jassy am 6. Januar 1792 anerkannt. Administrativ unterstand die Krim dem Gouvernement Taurien (russ. Таврическая губерния), zu dem auch ein Teil der östlichen Festlandküste bis zum unteren Dnepr gehörte. „Taurien“ sollte als neuer Name der Krim etabliert werden, setzte sich jedoch nicht durch.

Nach der Eingliederung wurden Kolonisten angeworben, darunter Deutsce, Italiener, Griechen, Bulgaren, Balten und Russen. Letztere waren vorwiegend entlassene Soldaten oder Saporoger Kosaken. Die tatarischen Bauern, die 96 Prozent der tatarischen Bevölkerung ausmachten, wurden in die unfruchtbaren Gebiete im Inneren der Krim zurückgedrängt. Große Teile der fruchtbaren Gebiete wurden ab 1784 unter der Führung Potjomkins an Landjunker verteilt. Als Folge dieser Politik kam es zu einem vermehrten Fortzug der Tataren ins Osmanische Reich, insgesamt verließen 100.000 Menschen die Krim.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde unter der Leitung des Admirals ichail Lasarew Sewastopol zum Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte ausgebaut. Von 1853 bis 1856 waren die Krim und vor allem Sewastopol Schauplatz des Krimkriegs. Teile der Halbinsel wurden während dieser Zeit vorübergehend von alliierten Truppen (Frankreich und Großbritannien an der Seite des Osmanischen Reiches, ab 1855 noch das Königreich Sardinien) besetzt. Während und nach dem Krimkrieg kam es zu einer erneuten Massenflucht. Das Turkvolk der Tataren sympathisierte traditionell mit dem Osmanischen Reich und fürchtete sich vor Repressalien der Russen. In den 1870er und 1880er Jahren folgten weitere Emigrationswellen, sodass die Tataren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Krim nur noch eine Minderheit von etwa 187.000 Menschen darstellten.

Am 29. Oktober 1914 wurde Sewastopol von deutschen, unter türkischer Flagge fahrenden Kriegsschiffen beschossen. Dieser Angriff (sowie der auf Odessa) führte zum Kriegseintritt Russlands gegen das Osmanische Reich. Nach der Machtübernahme der Bolschewiki im Januar 1918 wurde von diesen die Taurische Sowjetische Sozialistische Republik (russisch: Советская Социалистическая Республика Тавриды) ausgerufen.

Sowjetische Periode

Im Oktober 1921 wurde die Gründung einer autonomen sozialistischen Krim-Sowjetrepublik aus den Regionen der ehemaligen Provinz Taurida in der RSFSR angekündigt, die 1946 in „Krimregion“ umbenannt wurde. Die neue Regierung schenkte ihr große Aufmerksamkeit. Die Politik der Industrialisierung führte zum Erscheinen der Schiffsreparaturanlage in Kamysh-Burunsky, die Bergbau- und Verarbeitungsanlage wurde dort errichtet und in Kerch wurde eine metallurgische Anlage errichtet.

Die weitere Entwicklung wurde durch den Zweiten Weltkrieg behindert. Bereits im August 1941 wurden von hier aus rund 60 000 dauerhaft auf Dauer lebende ethnische Deutsche deportiert, und im November wurde die Krim von der Roten Armee verlassen. Auf der Halbinsel blieben nur zwei Zentren des Widerstands gegen die Faschisten — das befestigte Gebiet von Sevastopol und die Steinbrüche von Adzhimushkay, aber auch sie fielen im Herbst 1942. Nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen begannen hier Partisanenabteilungen ihre Aktivitäten. Die Besatzungsbehörden verfolgten eine Völkermordpolitik gegen «minderwertige» Rassen. Infolgedessen hatte sich die Bevölkerung von Tavrida zur Zeit der Befreiung von den Faschisten beinahe um das Dreifache vermindert.

Die Okkupanten wurden im Frühjahr 1944 von der Krim vertrieben. Danach kamen Tatsachen der Zusammenarbeit mit den Faschisten von Krimtataren und Vertretern einiger anderer nationaler Minderheiten ans Licht. Durch die Entscheidung der Regierung der UdSSR wurden mehr als 183.000 Menschen krimtatarischer Herkunft, eine beträchtliche Anzahl von Bulgaren, Griechen und Armeniern in entlegene Regionen des Landes abgeschoben. 1954 wurde die Region auf Vorschlag von N. S. Chruschtschow an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik „verschenkt“. Obwohl die Krim seit über 200 Jahren vorwiegend durch Russen bewohnt war, und traditionell zu Russland gehörte, wurde sie, ohne die Bevölkerung zu befragen, der ukrainischen SSR einverleibt.

Die neueste Geschichte der Krim und unserer Tage

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1991 blieb die Krim in der Ukraine und erhielt Autonomie mit dem Recht, eine eigene Verfassung und einen eigenen Präsidenten zu haben. Nach langen Verfahren wurde das Grundgesetz der Republik von der Verkhovna Rada (Parlament der Ukraine) genehmigt. Der erste Präsident der autonomen Republik Krim (ARK) war 1992 Juri Meshkov. Anschließend verschlechterte sich die Beziehung zwischen dem offiziellen Kiew und Simferopol. Das ukrainische Parlament verabschiedete 1995 einen Beschluss zur Abschaffung der Präsidentschaft auf der Halbinsel, und 1998 unterzeichnete Präsident Kutschma ein Dekret, mit dem die neue Verfassung der ARK gebilligt wurde, mit deren Bestimmungen der Grossteil der Bevölkerung der Krim nicht einverstanden war.
Interne Widersprüche, die zeitlich mit gravierenden politischen Diskrepanzen zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation zusammenfielen, spalteten 2013 die Gesellschaft. Ein grosser Teil der Einwohner der Krim hat die Rückkehr in die Russische Föderation unterstützt, der andere kleinere Teil — in der Ukraine zu bleiben. Bei dieser Gelegenheit fand am 16. März 2014 ein Referendum statt. Die meisten Einwohner der Krim, die an der Volksabstimmung teilgenommen haben, stimmten für die Wiedervereinigung mit Russland.
Bundesstaat Sewastopol: Bei einer Wahlbeteiligung von 89,5% stimmten  95,6% für die Wiedervereinigung der Krim mit Russland.
Krim Simferopol: Bei einer Wahlbeteiligung von 83,1% stimmten 96,77% für die Wiedervereinigung der Krim mit Russland.

Trotz dieses eindeutigen Votums durch die Bevölkerung vertreten Politiker der USA und anderer den USA hörigen Staaten noch immer die Position, der «Annexion» der Krim durch Russland. Obwohl alle Begebenheiten für eine klare «Sezession» sprechen, dem international anerkannten Recht auf Selbstbestimmung einer Bevölkerung.

Zur Zeit der UdSSR wurden auf Taurida viele Resorts und Sanatorien errichtet, die als All-Union-Kurort galten. Das Kinderlager «Artek» hatte überhaupt keine Analoga auf der Welt. Die Entwicklung der Region als Kurort setzte sich in der ukrainischen Zeit der Krimgeschichte und in der russischen fort. Trotz aller zwischenstaatlichen Widersprüche ist es nach wie vor ein beliebter Urlaubsort für Russen und Ukrainer.